Digitale Ethik

Oktober 2020

Digitale Transformation und ihre ethischen Abwägungen

Unter Ethik versteht man die Philosophie, welche sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung des menschlichen Handelns befasst. Die Ethik ist das methodische Nachdenken über moralisches Handeln. In der heutigen Gesellschaft spricht man jedoch in Zusammenhang mit Ethik häufig automatisch auch von Forderungen an die Entwicklung und dessen Betrieb der IT. Aktuellen Berichten zufolge führt insbesondere die Digitalisierung zu Gesellschaftsveränderungen.

Unter dem Beitrag «The Global Landscape of AI Ethics Guidelines» hat die internationale Fachzeitschrift «Nature Machine» interessante Statistiken rund um das Thema digitale Transformation veröffentlicht. Die Verfasser haben in der Tat 84 weltweit bekannte Institutionen gefunden, welche sich in den letzten 36 Monaten nach digitaler Ethik informiert oder zumindest einmal danach gesucht haben. Diese Statistik zeigt, dass die Ethik der Technik sehr wertvoll ist, zumal auch der Datenschutz einer dieser Werte darstellt.

Eine berechtigte Frage ist, welche Änderungen bringt die Digitalisierung für die Gesellschaft mit sich? Viele sind sich sicher: Mittel- bis langfristig führt sie zu ethischen Abwägungen. Doch wie verantwortungsvoll gehen Menschen überhaupt in Bezug auf die digitale Transformation um?

Die damit verbundene Entfaltung oder Nicht-Entfaltung am Arbeitsplatz, der Umbau von Unternehmen in gigantische digitale Workflow-Systeme, die Art wie Menschen miteinander kommunizieren und Beziehungen pflegen und Ferien planen – oder die Freizeitgestaltung vor dem Handy oder Bildschirm, bei der Partnersuche – um nur einmal einige Beispiele zu nennen. Das sind alles aktuelle Fragen, welche das Volk beschäftigt und verständlicherweise zum Nachdenken bringen.

Medienhoheit, Cyber-war und COVID-19

Über welche Quellen beziehen Menschen tägliche Informationen? In der heutigen Generation sind dies überlicherweise die digitalen Medien. Und auch hier liegt die nächste Thematik: Medienhoheit und Polarisierung von User in Foren, vieles wird so wahrgenommen, wie man es auf den ersten Augenblick liest. Eine Verschiebung von Kriegsführung hin zu Cyberwar und autonomen Waffensystemen, Wahlmanipulation und Demokratieuntergrabung bzw. Bedrohung der öffentlichen Ordnung. Die Liste der systemübergreifenden «Changes» ist riesig und genau deshalb prophezeien Historiker, dass wir uns zurzeit in einer zweiten neolithischen Transformation befinden, vorausgesetzt es ändert sich nichts. Durch die COVID-19 verursachte Verschiebung im Welthandel, in der Privatwirtschaft sowie Wertschöpfungsketten existiert zudem vielerorts eine teils berechtigte Verunsicherung und Angst.

(In)korrekte Vorangehensweise

Ist es eine Frage der richtigen Auffassung und Vorangehensweise? Letzteres kann man nicht einem simplen «5-Point-Plan» unterordnen. Die Ethik ist nicht verwechselbar mit Moral bzw. mit den zehn Geboten, sondern die Ethik ist einfach erklärt eine Anleitung, wie man in bestimmten Situationen gut oder böse – oder falsch oder richtig – handelt. Es ist eine Form des Lebens, des Wirtschaftens, die Menschen als Haltung durchgängig begleitet, zumal das Sozialsystem und die Stabilität der Gruppe ebenso im Vordergrund steht wie die Interessen des Einzelnen. Beim Handlungsrahmen stellt sich die Frage, ob es Leitlinien für gutes und korrektes Handeln gibt. Fakt ist, dass sich die Gesellschaft um eine neue Form von Wertschöpfung bemühen zu scheint.

«Statt vor lauter Kostendruck nur digitales Zeug zu produzieren und sich einer unbefriedigenden ‚Feature Fatigue‘ hinzugeben, sollten Menschen sich wieder dem zuwenden, worin sie einmal wirklich gut waren», ist eines von zig Beispielen, worauf Wissenschaftler immer wieder aufmerksam machen. Die Werte sollen auch für wirkliche Werte stehen – und nicht immer sofort mit Geldwerten in Verbindung gebracht werden. Die Menschheit ist schliesslich gut «wertvolle Güter zu produzieren, welche auf dem Markt gefragt sind». Genau dies war auch die ökonomische Erfolgsstrategie in den vergangenen Jahrzenten und es soll auch bei Brands und Marken für eine digitale Transformation umgesetzt werden.

Welche Auswirkungen soll dies auf die Politik und Wirtschaft haben?
Ein paar Szenarien:

  • gesetzlich verankerte Mindeststandards bei der Herstellung und Zertifizierung des Betriebs all solcher digitalen Güter und Dienstleistungen, die eine bestimmte Nutzerzahl überschreiten
  • eine systematische Förderung wertbasierter Technologien
  • massvolle statt massloser Digitalisierung
  • Nachhaltigkeit der Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen

Wir bleiben für Sie – speziell was das Thema Ethik und digitale Transformation angeht – am Ball und halten Sie auf dem Laufenden.